Performing Bodies

Performing Bodies

Raum und Zeit bei Meister Eckhart und in Performances und Video Installationen von Taery Kim

 

Die Ausstellung war in der Galerie Waidspeicher, Erfurt,  von Januar bis März 2016 zu sehen. Ausgewählte Exponate werden anschließend in Seoul, Südkorea, gezeigt. Im Vorgriff für diese größere Ausstellung wurde ein Werk von Taery Kim bereits in der Predigerkirche in Erfurt ausgestellt. Das Interesse der Besucher an der Möglichkeit aktiver Beteiligung an einer solchen Performance war groß.

 

Was hat Meister Eckhart mit zeitgenössischer Performance Art gemeinsam? Meister Eckhart hat sich intensiv mit Raum und Zeit beschäftigt. Lebensgestaltung im Sinne dieses „Lebemeisters“ kann als eine Art künstlerische Performance betrachtet werden. Der Körper dehnt sich gleichsam in der Seele aus und kehrt in sich zurück. Der berühmte Prediger entfaltet mit seinen Zuhörern und Zuhörerinnen eine lebenige Kommunikation, in welcher Blick und Gegenblick den Text einer Predigt entstehen lassen.


Die amerikanisch-koreanische Performancekünstlerin Taery Kim (*1988) hat sich von den Raum- und Zeitvorstellungen Meister Eckharts inspirieren lassen; in Resonanz mit ständiger Bewegung, Ton und Bild, bezieht sie ihren eigenen Körper wie auch den des Betrachters in das Kunstwerk mit ein.  Körperlichkeit war dem Mittelalter durchaus präsent, wie etwa die Reliquienverehrung zeigt.


Neben Kims direkten und indirekten Interpretationen des Werkes Eckharts werden auch mittelalterliche Handschriften von und im Umfeld mit Meister Eckhart ausgestellt, worunter sich auch eine neu entdeckte und in der Öffentlichkeit zum ersten Mal gezeigte Eckhart-Handschrift befinden wird. Die Handschriften sind Leihgaben aus Erfurt, Leipzig und der Wartburg. Dieser Schriften-Körper – „corpus“ im mittelalterlichen Sinne – verkörpert zugleich viele Originale: die Schreiber und Schreiberinnen dieser Schriften. Er verändert sich als Akteur immer wieder mit seinen Neuentdeckungen und Neueinschreibungen in andere Körper. Wie seit alter Zeit in Palimpsestvorlagen, variierende Abschriften, Besitznotizen, Bucheinbindungen und Signaturen durch Katalogisierungen, sind die Schriftkörper unterwegs und in lesenden Körpern verwandelnd zu Gast.


Die Ausstellung stand im Zusammenhang eines durch die Eckhartforschungsstelle am Max-Weber-Kolleg, Erfurt (in Verbindung mit den Universitäten Kings College, London und Birmingham, UK) durchgeführten Forschungsprojektes zu Meister Eckhart und stellt so auch eine Verbindung zwischen Universität und Stadt und Region dar.