Die Erfurter Zeit von Meister Eckhart

Meister Eckhart hat wesentliche Teile seines Lebens in Erfurt im Predigerkloster gelebt und gewirkt. Wir gehen davon aus, dass dies die Jahre von ca. 1275 bis 1293, 1294 bis 1302 und 1303 bis 1311 waren. Diese Zeit ist untrennbar mit dem Hohen Chor der Predigerkirche und mit dem Ostflügel des Predigerklosters verbunden. Diese beiden Gebäude , die bis 1280 unter Dach gebracht worden sind, sind die einzigen bis heute erhaltenen authentischen Orte seines Lebens.

  • Hier ist er ziemlich sicher in den Dominikanerorden aufgenommen und ausgebildet worden.

  • Hier war er von 1294 bis 1298 Prior (Leiter) des Klosters. Aus dieser Zeit stammen seine Erfurter Reden.

  • Mit Sitz in Erfurt vertrat er den Provinzial der Ordensprovinz Teutonia der Dominikaner als Vikar von Thüringen. Mit dem damaligen Provinzial, Dietrich von Freiberg, verband ihn eine enge Beziehung.

  • Von hier aus wirkte er von 1303 bis 1311 als Provinzial (Leiter) für die neu entstandene Ordensprovinz Saxonia, deren Gebiet von den Niederlanden über weite Teile Nord- und Mitteldeutschlands bis nach Böhmen und Lettland reichte.

Hier im Predigerkloster hat er mit den "Erfurter Reden" und mit seinen deutschen Predigten die Menschen gelehrt und war als Seelsorger für sie da. Die heutige Eckhart-Forschung ist sich einig darüber, dass Erfurt der entscheidende Ausgangspunkt für sein Denken und seine Theologie gewesen ist. Als Meister Eckhart Erfurt verließ, waren seine Grundgedanken bereits formuliert und verkündigt.

Der bekannte Forscher Georg Steer kommt zu dem Ergebnis: "Die großen Gedanken der abgeschiedenheit und des Freiwerdens von sich selbst, der äußersten Armut sowie der Gottesgeburt in der Seele und des Einsseins in Gott hat Eckhart in Erfurt zu denken begonnen. Er hat sie weiterentwickelt, präzisiert und mit immer neuen Begriffen, Bildern und Vergleichen verdeutlicht. Die Erfurter Jahre waren für Eckhart die wichtigsten in seinem Leben."